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Aktuelles aus der LAG und den örtlichen Initiativen


Große Schwestern
26.3.2014: Fünf Jahre UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland
// 03.2014....

Niemand hat sie dazu aufgefordert. Sie hat es nur für sich getan:
Katharina (13) hat sich abends ihren Frust von der Seele geschrieben.
„Ich finde es eine Schande“, schreibt sie, „dass die Stadt Mannheim und auch unsere gesamten Politiker es seit 2009 nicht geschafft haben, Inklusion zum Alltag zu machen. Und überall, wo sie es mal geschafft haben, stellen sie sich in den Vordergrund und rühmen sich ihrer guten Tat. Dem ist in meinen Augen nicht so. Man muss ihnen zu Gute halten, sie machen etwas, aber halt nicht genug und oft auch erst dann, wenn man sie wieder und wieder auffordert. Ich finde das einfach ungerecht diesen Menschen gegenüber. Sie können doch nichts dafür, dass sie eine Behinderung haben, und ich finde, sie haben ein RECHT AUF INKLUSION!!!“
Katharina muss zur Zeit mit ansehen, wie ihre Eltern darum kämpfen, dass ihr kleiner Bruder Arthur (10 und mit fragilem X-Syndrom) nach vier Jahren in einer Außenklasse mit möglichst vielen seiner behinderten und nicht behinderten Freunde auch eine allgemeine weiterführende Schule besuchen kann.

Auch Mira (10) aus Heidelberg hat erlebt, dass es alles andere als selbstverständlich war, dass ihr kleiner Bruder Arwed (8) mit Down-Syndrom dieselbe Grundschule besuchen darf wie sie, nämlich die
IGH, die Internationale Gesamtschule Heidelberg, die Mira vom Küchenfenster aus sehen kann. Die monatelangen Auseinandersetzungen bekam auch sie natürlich mit. Inzwischen wird Arwed in der 2. Klasse der IGH inklusiv beschult und hat an der Schule viele Freunde. Mira hat sich jetzt für die IGH auch als weiterführende Schule entschieden – und macht sich schon wieder Sorgen, ob auch ihr Bruder später bleiben darf. „Und was sie total nervt“, erzählt ihre Mutter, „ist, dass alle über Inklusion mitreden wollen, aber die meisten überhaupt keine Ahnung davon haben.“

Unwissenheit kennt auch Katharina gut. Sie schreibt: „Nun es ist in unserer Gesellschaft leider so, dass viele Menschen blöd und neugierig glotzen (dies mag hart oder schroff klingen, ist aber in meinen Augen in diesen Worten am besten beschrieben), wenn sie einen Menschen mit Behinderung sehen. Dies liegt daran, dass Menschen mit Behinderung der Öffentlichkeit vorenthalten werden oder, um es mit meinen Worten zu sagen, dahin gebracht werden, wo sie die Öffentlichkeit und vor allem Kinder nicht oder selten zu sehen bekommen. Für die behinderten Kinder sind das die Behindertenschulen. Und da sind wir schon an dem Punkt, der mich so wütend macht. Ich frage mich wie eine Gesellschaft so etwas machen kann, das ist doch inakzeptabel. Nur weil jemand anders ist oder etwas nicht so gut oder so schnell kann wie jemand anderes, der keine Behinderung hat, ist das doch noch lange kein Grund, diese Person nicht an einer normalen Schule zu unterrichten.“

Um eine „normale“ Schule für ihren sehbehinderten Sohn stritten lange auch die Eltern von Miriam (13) aus Dossenheim. Miriams Mutter hat in einem Artikel geschrieben: „Für sie ist er der klügste und tollste
kleine Bruder, den es gibt. Joshuas Schwester ist mutig und schlau, die beiden geben sich so viel. Joshuas Behinderung ist für beide praktisch nicht vorhanden, wenn sie zusammen spielen, kuscheln, lesen. Was die größte Angst von Joshuas Schwester ist? Dass ihr Bruder keine Freunde findet, dass er ausgegrenzt wird, dass er nicht in unserer Nähe auf eine Schule gehen darf, dass er nicht mit uns zusammen sein kann.“ Miriam hat an Aufklärungsständen mitgeholfen, hat Luftballons einer Elterninitiative für Inklusion aufgeblasen – und hat sich gefreut, als Joshua endlich mit Schultüte vor der örtlichen Grundschule stand.

Doch all das hinterlässt Spuren – bei Miriam, bei Mira, bei Katharina und vielen anderen Geschwistern von Kindern mit Behinderung. Auch wenn der Kampf um die dauerhafte Inklusion ihrer Jungs am Ende erfolgreich sein wird – in einem sind sich alle drei Mütter einig: „Das sind zusätzliche und völlig überflüssige Belastungen, und so manche Familie erleidet dabei auch Schaden!“


(aufgeschrieben von Projektleiterin Kirsten Ehrhardt)


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