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Projektberichte "Unabhängige Beratung" / Archiv


Ein "junger" Arbeitskreis
Thema Kindergarten und Schule in Göppingen
// 12.03.2014

Unsere Projekleiterin hat den "jungen" Arbeitskreis in Göppingen schon besucht - und freut sich über so viele aktive Eltern, die sich für Inklusion ihrer Kinder in Kindergarten und Schule einsetzen. Jetzt ist der Arbeitskreis in die Öffentlichkeit gegangen - in einem Artikel in der Südwestpresse:

Kreis Göppingen
Initiative kämpft für Inklusion in der Schule

Sie wünschen sich Normalität für ihre Kinder. Ein Arbeitskreis des Vereins "Gemeinsam leben - Gemeinsam lernen" unterstützt Eltern, die ihre Kinder mit Behinderung an Regelschulen unterrichten lassen wollen.
KARIN TUTAS | 26.02.2014

"Ben hat einen Riesensprung gemacht." Simone Bogner ist sehr zufrieden mit den Fortschritten, die ihr Sohn macht. Weil der Achtjährige an einer schweren Muskelerkrankung leidet, entwickelt er sich nicht wie andere Kinder in seinem Alter. Seit September geht der Junge in die erste Klasse der Haldenberg-Grundschule. Nicht in einer gesonderten Gruppe, sondern mit Altersgenossen aus seinem Wohnumfeld. Damit ist Ben eher eine Ausnahme. Zwar besuchen im Landkreis Göppingen bereits an 35 Standorten Kinder mit Behinderung eine Regelschule. Aber in der Regel werden sie in Gruppen zusammengefasst, erklärt der Leiter des Staatlichen Schulamts Göppingen, Hans-Jörg Polzer.

Außenklassen oder separate Gruppen sind für die Mitglieder des Arbeitskreises Schule und Kindergarten des Vereins "Gemeinsam leben - Gemeinsam lernen" (GLGL) jedoch nur die zweitbeste Lösung und noch lange nicht im Sinne der UN-Konvention, die auch Menschen mit Handicap das Recht auf ein Leben mitten in der Gesellschaft zuschreibt. "Wir wollen, dass unsere Kinder da zur Schule gehen, wo sie wohnen", sagt die Sprecherin des Arbeitskreises, Jutta Hönes. Kinder, die außerhalb ihres Wohnortes unterrichtet würden, hätten es schwer, außerhalb der Schule Kontakt zu ihren Klassenkameraden zu halten, weiß Hönes.

"Unsere Kinder brauchen Normalität", betont Bernadette Voss. Auch die Bartenbacherin hat sich dafür entschieden, ihren Sohn in eine Regelschule zu schicken und hat es nicht bereut. In der Schule sei sie mit ihrem Ansinnen zwar sofort auf offene Ohren gestoßen, aber es bedurfte mehrerer Anträge an das Schulamt. "Man muss ganz extrem dafür hinstehen." Zum Beispiel in den sogenannten Bildungswegekonferenzen, an denen neben Eltern und Schulamtsvertretern auch Jugendamt und Schulträger beteiligt sind. "Man kämpft massiv gegen die Meinung an, dass Sonderpädagogik das Beste für diese Kinder ist", sagt Voss.

Die Berechtigung der Sonderpädagogik wollen die Frauen des Arbeitskreises nicht abstreiten. "Aber die Kinder in einem geschützten Raum zu unterrichten, entspricht nicht ihrer Lebenssituation in der Gesellschaft", betont Simone Bogner. "Sie müssen lernen, auch mit Widrigkeiten zurechtzukommen", ergänzt Bernadette Voss. Der Arbeitskreis habe es sich zum Ziel gemacht, Eltern zu ermutigen, ihr Kind in eine Regelschule zu schicken und dabei zu unterstützen, "den immer noch steinigen Weg zu gehen".

Schulamtsleiter Polzer hat Verständnis für den Wunsch der Eltern. Jedoch sieht das Schulgesetz im Land derzeit Inklusion ausschließlich in Außenklassen vor. "Wir versuchen soweit wie möglich, den Wünschen zu entsprechen", fügt der Schulamtsleiter hinzu. Jedoch habe man schlichtweg ein Ressourcenproblem. Denn auch Kinder mit Behinderung, die die Regelschule besuchten, benötigten eine besondere Förderung "so viele Sonderpädagogen hat man nicht in der Fläche".

Darin sieht auch Jutta Hönes ein großes Problem: "Momentan haben die Eltern eigentlich kein echtes Wahlrecht, da die Voraussetzungen fehlen", klagt die Holzhäuserin. Um der Vielfalt gerecht zu werden, müsse sich Schule insgesamt verändern, meint Hönes. Denn auch für die Lehrer an Regelschulen sei es Neuland, Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam zu unterrichten.

Der Arbeitskreis Schule und Kindergarten trifft sich jeden dritten Montag im Monat ab 19.30 Uhr im Bürgerhaus Göppingen, Kirchstraße 11. Kontakt david.hoenes@freenet.de, Informationen auch unter www.gemeinsamleben-gp.de

Foto: Giacinto Carlucci Ben (rechts) fühlt sich im Kreise seiner Klassenkameraden an der Haldenberg-Grundschule sehr wohl. Der Achtjährige leidet an einer Muskelerkrankung und entwickelt sich nicht wie andere Kinder in seinem Alter.

Quelle: Südwestpresse - danke für die Genehmigung, den Artikel abzudrucken.



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